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- Schulform: Grundschule
- Schüler: 265
- Lehrkräfte: 14
- Schwerpunkte: Bewegte Schule, in der Schüler mitentscheiden, mitgestalten und mitverantworten
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Leuchtturm in Hohenschönhausen
Durch die Vorhänge fällt gedämpftes Licht, zwei Lehrerinnen sitzen mit geschlossenen Augen bei sanfter Flötenmusik auf dem blauen Teppich. Hier im Entspannungsraum atmen die Lehrer kurz durch. Es ist große Pause in der Randow-Grundschule im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen. Entspannungsmöglichkeiten für die Lehrer, das ist hier nicht pure Wellness, sondern eine Notwendigkeit. Damit die Lehrer weiterhin das leisten können, was sie tagtäglich leisten: Den Kindern nicht nur Wissen, sondern auch Werte und Lebensfertigkeiten zu vermitteln – Teamgeist, Konfliktfähigkeit, Selbstständigkeit, Achtung vor sich selbst und anderen. Vieles davon wäre eigentlich Aufgabe der Eltern, doch sind diese damit hier oft überfordert. Früher herrschte hier Krise. Schulleiterin Christina Liebscher und ihr Lehrerkollegium haben die Chance darin genutzt. Anschub.de hat ihnen dabei geholfen.
Früher haben die Lehrer sich hier ausgebeutet
Hohenschönhausen im Nordosten Berlins mit dem Ruf eines Problemstadtteils: Wer kann, zieht weg aus diesem Plattenbau-Erbe der DDR. Nachrücker sind die, die am unteren Ende des sozialen Systems stehen, also Hartz-IV-Empfänger, Alleinerziehende und Zuwanderer etwa aus Vietnam und der früheren Sowjetunion. Für den Schulalltag brauchen Lehrer hier noch mehr Kraft als anderswo. „Die Kinder bekommen von Zuhause immer weniger mit. Da ist bei diesen Belastungen für uns das Primäre - Unterrichten - bald gar nicht mehr zu leisten. Meine Lehrer haben sich ausgebeutet“, sagt Christina Liebscher.
Eine ganz persönliche Krise der Schulleiterin war es, die schließlich den Anstoß gegeben hat, die Schule auf neue Wege zu bringen. Christina Liebscher hatte ein Burnout, war ausgebrannt und fiel ein ganzes Jahr lang aus. Zuvor hatte es Zeiten gegeben, in denen sie nachts um drei aufstand, weil sie dringend noch etwas für ihre Schule zu Ende bringen musste. Das ging so lange gut, bis nichts mehr ging. Liebscher und ihre Lehrerkollegen begriffen dies als Chance: Sich, die Arbeit und ihre Schule neu zu definieren und neu zu organisieren. „Wir mussten etwas tun, damit wir wieder mit Freude und ausgeruht an die Arbeit gehen, denn nur dann nutzen wir der Schule etwas.“
Entspannung und Stressmanagement
Viele Neuerungen entwickelten sie aus dem Anschub-Modul ‚Lust auf Schule’. Bei einem Lehrergesundheitstag mit psychologischer und physiotherapeutischer Anleitung, der von Anschub.de und AOK gefördert wurde, lernten sie etwas über Stressmanagement und Entspannungstechniken. Daraus hat die Schule für sich Techniken und Möglichkeiten maßgeschneidert, um im Alltag immer wieder Kraft zu schöpfen und Entlastung zu schaffen. Der Entspannungsraum gehört genauso dazu wie die Yogaübungen, die Lehrer in einem Anschub-Kurs gelernt und dann an ihre Kollegen weitergegeben haben. Jeden Freitag frühstücken die Lehrer jetzt zusammen, ein Masseur bietet regelmäßig Rückenmassagen an.
Schafft Bewegung: Rechnen mit Gummitwist
Aber auch strukturelle Änderungen verschaffen den Lehrern Spielräume und den Kindern mehr Möglichkeiten. Einmal wöchentlich treffen sich die Lehrer in Jahrgangskompetenz-Teams und bereiten gemeinsam mit den Erziehern den Unterricht für eine Stufe vor. Der Unterricht ist anders getaktet, so dass es mehr Gestaltungsspielraum gibt. Hier gibt es nun Zeit, um Dinge wie das Nikki-Programm einzusetzen, das Unterricht mit Bewegungsaufgaben verknüpft – wie Rechnen mit Gummitwist. In zwei halbstündigen Bewegungspausen finden Bewegungsspiele statt, die Spannungen abbauen und die Konzentration fördern. Um Ernährungsgewohnheiten, Selbstwertgefühl und Sozialkompetenz geht es, wenn die Schüler einen ‚Ernährungsführerschein’ machen, Aufführungen in Altersheimen machen oder als Lernbuddys eigenständig jüngere Schüler unterstützen.
Im Kollegium herrscht eine Kultur der Wertschätzung
Wie bewältigen Lehrer einen solchen Einsatz und ein solches Pensum? Die veränderten Strukturen, Programme und Wohlfühloasen sind wichtige Stützen. Aber zusammengehalten wird das Kollegium an der Randow-Grundschule vor allem auch durch eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung. Die Kollegen sind zusammengerückt und haben ein inneres Führungskonzept entwickelt. Wie in einer Familie hilft jeder jedem, und es sind sogar regelrechte Patenschaften entstanden: Je zwei Lehrer achten aufeinander und auf Anzeichen von Stress. Die Schulleitung achtet ganz bewusst darauf, auch Lob auszusprechen, etwa wenn ein Kind gut gefördert wurde oder die Eltern gut miteinbezogen wurden.
Einmal im Jahr führt Christina Liebscher mit jedem Lehrer ein intensives Gespräch. Welche Sorgen sie haben, was sie erwartet, was gut umgesetzt wurde und wo noch Reserven sind. Zu jedem Geburtstag gibt es einen Blumenstrauß. Nicht zuletzt am gesunkenen Krankenstand der Lehrer lässt sich ablesen, welchen Wandel es hier gegeben hat. Erst kürzlich erhielt die Schule den Förderpreis für Soziales Lernen. Für die 250 Schüler ist die Randow-Grundschule aber viel mehr als ein Preisträger: ein Leuchtturm in Hohenschönhausen.
