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- Schulform: Gymnasium
- Schüler: 1106
- Lehrkräfte: 88
- Schwerpunkte: Schulmanagement-Teams - Aussprachetagungen Schülervertreter, Lehrer, Schulleitung
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Entfaltung erwünscht
Wenn Frank Kubitza morgens in seine Schule kommt, dann ist er gespannt, was ihn wohl heute wieder erwartet. Vielleicht muss der Schulleiter erst unter einem Absperrband durch und an Umrisszeichnungen wie aus einem Krimi vorbei, um so Teil einer Performance seiner Schüler zu werden. Oder er entdeckt auf den Toiletten wieder Attrappen von Überwachungskameras. Alles schon vorgekommen. Schließlich werden Beteiligung und Kreativität am Jack-Steinberger-Gymnasium in Bad Kissingen groß geschrieben. Humor auch.
Von Schulkleidung bis fitteste Klasse: Schüler organisieren sich selbst
Die Schüler engagieren sich hier auf vielen Ebenen: In 'Schulmanagement-Teams' entwickeln und organisieren sie eigenständig, etwa bei 'Jugend debattiert' oder bei Großveranstaltungen wie dem Schulentwicklungstag der Region. Auch führte das Team in Eigenregie die Schulkleidung ein: Design, Sortiment, Lieferantenauswahl, Präsentation und Verkauf. Streitschlichter sind Ansprechpartner bei Mobbing und Konflikten und ausgebildet in einem mehrtägigen Training, unter anderem in nondirektiver Gesprächsführung. Tutoren aus der 10. und 11. Klasse kümmern sich um die Fünftklässler, zeigen ihnen beispielsweise das Schulhaus, begleiten sie aber auch auf Fahrten ins Schullandheim oder backen Plätzchen mit ihnen.
Im Nachhilfe-Projekt 'Schüler helfen Schülern' unterstützen Oberstufenschüler die Jüngeren beim Lernen. Und im Projekt 'Schule als Kunstraum' verschönern Schüler ihre Schule mit Objekten und Gemälden und tragen so zur Schulraumgestaltung bei. Schülerbeteiligung fördert die Schule auch mit der Einführung von Jahrgangsstufen-Sprechern und regelmäßigen 'Aussprachetagungen', zu denen gewählte Vertreter der Schülermitverantwortung (SMV), Verbindungslehrer und Schulleitung zusammenkommen. Da geht es meist um praktische Fragen, Wünsche und Probleme der Schüler wie Rollerparkflächen, Klassenzimmergestaltung oder Busverbindungen.
Impulse durch Anschub-Workshops
Bisher größter Erfolg der Schüler: der Wettbewerb 'Fitteste Klasse' in vier Disziplinen - ein Mammut-Projekt, das sie selbständig entwickelt und für rund 1000 Schüler in die Tat umgesetzt haben. Dabei ging es den Schülern nicht nur um die körperliche Gesundheit, sondern auch um die geistige, soziale und kreative. Workshops von Anschub.de hatten dazu die Initialzündung gegeben. Das Schulmanagement-Team und SMV-Vertreter setzten sich dabei mit den Grundlagen der guten gesunden Schule auseinander. Und damit, wie sie die Schulentwicklung in diese Richtung bringen können.
Als Auftakt für den Wettbewerb, der sich über ein Schuljahr erstreckte, gab es einen Test der körperlichen Fitness. Beispielsweise beim Seilspringen, Basketball-Zielwerfen und beim Lauf durch die Innenstadt, wo zum Ansporn auch Olympiasiegerin Heike Drechsler dabei war. Am Schuljahresende wiederholte sich der Test um zu sehen, was sich getan hat und ob das Gymnasium seinem Ziel näher gekommen war, eine Bewegte Schule zu sein. In der Disziplin ‚geistiges Leistungsvermögen’ entwickelten SMV-Schüler und Lehrer gemeinsam je einen Wissenstest für die Unter-, Mittel und Oberstufe. In der Disziplin ‚Kreativität’ ging es um das schönste gemeinschaftlich umgestaltete Klassenzimmer. Und in der Disziplin ‚soziales Engagement’ darum, Probleme in der Klasse oder im gesellschaftlichen Umfeld aufzuarbeiten, Maßnahmen zu erarbeiten und zu dokumentieren.
Das Wir zählt mehr als das Ich
„Mit dem Wettbewerb ist mehr Bewegung ins ganze Schulleben gekommen, die Schüler sind so mitgerissen worden, dass sie jetzt weitermachen“, sagt Schülersprecher Nicolas Lahovnik, der damit sein Ziel der Nachhaltigkeit erreicht hat. Der aufwändige Wettbewerb soll nun alle drei bis vier Jahre wiederholt werden, damit jeder Schüler ihn während seiner Gymnasialzeit zwei Mal mitmachen kann. Der Wettbewerb hat sich laut Schülersprecher positiv auf das Schulklima ausgewirkt: „Die Klassengemeinschaft ist mehr in den Vordergrund getreten, das Einzelkämpfertum ist weniger geworden.“
Hilfe nur auf Nachfrage
Für ihn waren die Workshops von Anschub.de „Weg weisend“, da er sich so zum ersten Mal Gedanken gemacht habe, wofür er sich eigentlich engagiere. Und weil er dort gelernt habe, sich zu strukturieren: „Mir hat das die Augen geöffnet, an welchen Eckpunkten wir ansetzen müssen. Und ich fand es gut, dass uns nicht vorgegeben wurde, was für ein Projekt wir machen sollten, sondern dass wir es selbst entwickeln konnten. Wir hatten freie Hand, man hat uns nur geholfen, wenn wir nachgefragt haben.“
Warum traut ein Schulleiter seinen Schülern so etwas und so viel zu? Frank Kubitza hat zwei Gründe: „Generell müssen Schüler im Unterricht ja zu vorgegebenen Zielen geführt werden, und da finde ich es im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung wichtig, dass es auch Bereiche gibt, wo sie ihre Ziele selbst definieren und sich entfalten können.“ Und dann spielt da auch die Erinnerung an sein eigenes Schülerleben eine Rolle: „Ich wollte als Schüler ja schließlich auch ernst genommen werden.“
