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- Schulform: Förderschule
- Schüler: 230
- Lehrkräfte: 35
- Schwerpunkte: Schülerfirmen betreiben in Eigenregie Biogärtnerei und Schulrestaurant - Pausen-Buddys
- Schlagwörter:
Stärken entdecken - und nutzen
Was macht eine Schule, bei der die landen, die durch alle Netze gefallen sind? Die Schüler da abholen, wo sie stehen, bei ihren Interessen und Stärken. Und mitnehmen. Genau das tut die Schule an der Malchower Aue in Hohenschönhausen, einem Berliner Stadtteil, wo die Plattenbauten bis zu 21 Geschosse haben. Die Schule für Grund- und Sekundarstufe 1 mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen gestaltet das Schulleben nach dem Grundsatz, den sie sich auch ins Schulprogramm geschrieben hat: „Die Stärken stärken, die Schwächen schwächen“. Im Alltag heißt das zum Beispiel, dass sie die Schüler zu Managern macht. In einer der fünf Schülerfirmen, die etwa das Schulrestaurant oder eine Biogärtnerei betreiben.
Schülerfirma: Dafür braucht man Deutsch und Mathe
In der Schülerfirma ‚SADMA’ verkaufen die Schüler der 7. bis 10. Klassen täglich ein selbst gemachtes gesundes Frühstück im Schülerrestaurant, in dem Schüler und Lehrer gemeinsam essen. Sie treten auch als Cateringfirma auf und haben schon die Berliner Senatsverwaltung, das Bezirksamt oder soziale Einrichtungen mit Buffets beliefert. Alles selbst geplant, budgetiert, eingekauft, hergestellt, abgerechnet. Da steckt Deutsch und Rechnen drin; auch sogenannte arbeitsrelevante Basiskompetenzen wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Dazu ganz viel Teamgeist, Bestätigung, Stärkung des Selbstwertgefühls. Und praktische Sachkunde, denn einen Teil des Gemüses haben Schüler der Schülerfirma GaFiMa selbst im Biogarten gezogen.
Das alles schaffen Kinder, von denen viele selbst nie ein Brot von Zuhause geschmiert bekamen, geschweige denn eine gekochte warme Mahlzeit. Die Schülerfirmen arbeiten weitgehend selbstständig unter der Regie von wechselnden gewählten Geschäftsführern. Die Lehrer halten sich beratend im Hintergrund. Bei der Schülerrestaurantfirma zog die Schule auch das Anschub-Modul ‚Schule is(s)t in Bewegung’ heran, ebenso für die Projektwoche ‚Fit durch den Tag’, mit der Bewegung, Trink- und Ernährungsverhalten der Schüler gefördert wurden. Unter anderem gab es da eine Tanz-AG, die bei den Schülern so gut ankam, dass auf ihren Wunsch hin jetzt Tanz und Breakdance als Wahlpflichtangebote eingeführt wurden. Die Breakdancer hatten sogar schon erfolgreiche Auftritte auf Festen.
Kumpel sein - Ältere unterstützen Jüngere
Dass die Schule sich so sehr um die gesunde Ernährung ihrer Schüler kümmert, hat auch den Hintergrund, dass es früher öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Im anschließenden klärenden Gespräch kam oft heraus: „Ich hab heut‘ noch nichts gegessen, bin dadurch schlecht drauf.“ Gewalt beugt die Schule heute auch vor, indem sie Schüler beteiligt und gezielt darauf setzt, sie zu stärken. Beispielsweise bei den Pausen-Buddys: Als ’Kumpel’ passen ältere Schüler auf, ob irgendwo ein Konflikt entsteht. Sie klären, vermitteln oder ziehen Lehrer hinzu. Für Klassen, in denen Gewalt wiederholt Thema ist, gibt der Präventionsbeauftragte der Polizei regelmäßig Anti-Gewalttrainings. Gemeinsam mit einem Schulpsychologen und der Schulleitung bietet er außerdem eine Gewalt- und Konfliktinterventions-Sprechstunde an. Buddys gibt es aber nicht nur in der Pause. Lern-Buddys geben ihr Wissen und Können an die Jüngeren weiter. Beispielsweise in Kochkursen für die Hortkinder. Oder am Chemietag, wenn die Großen den Kleinen Experimente erklären.
Experiment mit Potenzial: Freiwillige Hausaufgaben
Experimente wagt die Schule auch, wenn es darum geht, die Schüler zu motivieren: Als bei einer Fragebogenaktion zum Streit-Thema Hausaufgaben die meisten Schüler dafür waren, sie doch einfach ganz abzuschaffen, ging die Schule darauf ein. In einer Erprobungsphase sind jetzt für die Sekundarstufe Hausaufgaben freiwillig, heißen nun ‚Lernangebote’. Mutig, aber es funktioniert: „Fakt ist, dass die Schüler jetzt mehr Zuhause machen, weil es freiwillig ist“, weiß Schulleiterin Isolde Adling. Ihre Erklärung: „In dem Moment, wo wir den Druck rausgenommen haben, hat sich die Sache umgekehrt. Hausaufgaben sieht der Schüler jetzt als seine Sache an, nicht als die der Schule“.
Am Erfolg lernen – das ist das Erfolgskonzept der Schule an der Malchower Aue: „Wir helfen unseren Schülern dabei, die eigenen Stärken zu entdecken und einzusetzen. Die Schüler bekommen so das Gefühl ‚ich krieg was auf die Reihe’ und sind so viel eher motiviert zu lernen, Schule durchzuhalten“, sagt die Schulleiterin. Ziel der Schule ist nicht nur Motivation durch Erfolg, sondern auch eine bessere Vorbereitung auf Praktika, die vielleicht zu einer Lehrstelle führen. Dass der Erfolg oft von kleinen Details abhängt, lernen die Schüler übrigens auch durch praktische Erfahrung: Seit sie den Salat bei den Schnittchen unterm Käse verstecken, wird er nicht mehr runtergepult, sondern tatsächlich mitgegessen.
